Dino/Urraco Design-Entwicklung

Neulich hatten die Kollegen von Blenheimgang eine ziemlich komplette Liste von Marcello Gandinis Designentwürfen gepostet und ich bin dort auf einen Prototyp zum Lamorghini Urraco gestossen, den ich gar nicht kannte! Er sieht im Bereich der C-Säule dem Dino 308 GT4 sehr ähnlich. Wie kam es dazu?

Es handelt sich um den ersten von drei Prototypen, den Bertone ca 1969 zum Urraco gebaut hatte. Er steht heute im Ferruccio Lamborghini Museum in Dosso (Ferrara). Während die Scheinwerfer etwas exzentrisch wirken, zitiert die Front um die Stossstange noch den Miura, der Rest ist aber schon deutlich straffer und kantiger im Stil der beginnenden 70er Jahre. Der hintere bumerangförmige Lufteinlass erinnert stark an den erst später entwickelten Dino GT4. Ebenso die Heckleuchten (fahrender Prototyp, Foto aus Motor Klassik 1/1994). Der Entwurf gefiel Ferruccio Lamborghini aber nicht und so wurde ein zweites Modell gebaut (s. unten). Er hatte deutlich grössere Seitenscheiben, Klappscheinwerfer und am Heck einen integrierten Spoiler. Jedoch fiel auch er beim Firmenchef durch und so wurde ein dritter Entwurf gewagt, welcher bis auf kleine Änderungen (die Scheinwerfer rückten näher nach vorne) zur Serienversion wurde. Dieser Prototyp diente später Bob Wallace als Basis für seinen Urraco Rallye Spezial.

Der Urraco wurde auf dem Turiner Salon 1970 der Öffentlichkeit präsentiert, jedoch erst ab 1973 gebaut.

Der Dino stand im Rampenlicht des Pariser Salons 1973 und ging 1974 in Serie. Seine Entwicklung begann schätzungsweise 1971. Bertone bediente sich nämlich eines der V6 Ferrari Motoren- welcher neben einem 246er Chassis zur Prüfung der Durchfürbarkeit verschiedener Detaillösungen von Ferrari für das Projekt GT4  bereitgestellt wurde – um ihn in den Prototyp des Lancia Stratos (Turin 1971) einzubauen.  Gandini sah scheinbar noch Potezial in dem von Lamborghini abgelehnten Thema des dreieckigen Lufteinlasses hinter der Seitenscheibe. Auch erscheint das Design viel näher an einer der Skizze, die dem Urraco galt (s. unten). Sehr interessant ist auch das Design-Modell, welches im Bereich der Luftein/auslässe auf  den Hauben und hinter der Scheibe noch Unterschiede zum Serienmodell ausweisen. Auch wurde die Seitensicke weiter nach oben gelegt, was weniger schwerfällig wirkt.

Obwohl beide Fahrzeuge auf einem sehr ähnlichen 2+2 Mittelmotor-Layout basieren, sind sie bei genauerer Analyse doch sehr unterschiedlich und eigenständig geworden. Der Urraco ist flacher und wirkt durch die längere Seitenscheibe gestreckter. Über dem Motor trägt er die zeittypischen Lamellen, die auch eine optische Verbindung zum Miura herstellen. Der GT4 wirkt gedrungener, ist im Frontbereich viel kantiger, die senkrechte Heckscheibe verspricht gute Sicht nach hinten und erinnert an den Dino 246 GT. Es war ein gewagter Schritt von Enzo Ferrari, damals den Auftrag Bertone gegeben zu haben. Vielleicht um dem Modell ein eigenständigeres Design zu verleihen, oder aber weil die Entscheidung in die selbe Zeitperiode fiel, wie die der Produktion des Fiat Dino Spider (pininfarina) und des Coupes (Bertone), welcher gegen Ende der Produktionszeit bei Ferrari zusammegesetzt wurde und man vielleicht dessen Vorzüge schätzen lernte.

prototyp1prototyp1_02TestfahrtBildschirmfoto 2014-03-20 um 02.29.46Bildschirmfoto 2014-03-20 um 02.44.562. Prototypprototyp2Zeichnung zum Urraco (?)
Bildschirmfoto 2013-06-23 um 00.50.32Vergleich Dino/UrracoVergleichVergleich_2Dino 308 GT4 Modell
modell-02PrototypeBildschirmfoto 2015-03-28 um 12.05.28Foto des Designmodells und unten: “The complete Guide to the Ferrari 308 Series / Wallace A Wyss”modell-03

2 Dinos @ CrossRoads Designers Rallye Salzburg

Am letzten Wochenende fanden sich ca 40 schicke Fahrzeuge zur CrossRoads Designers Rallye in der Nähe von Salzburg ein, um ein paar schöne Alpenkilometer unter die Reifen zu nehmen. Mit im Feld war Benoit mit seinem schwarzen 308 GT4, was mich besonders gefreut hat, denn zwei Dinos sind noch besser als einer. Start und Zielpunkt war das Kiska Designstudio, welches die Ausfahrt auch aufs Perfekteste ausrichtete. Die Strecke führte über 330 km feinste Strassen Richtung Süden. Mittagseappenziel war die Turracher Höhe (1800m). Dann weiter zum Highlight: Die mautpflichtige Nockalmstrasse!!! 52 Kurven führen auf die beiden Pässe (2024 und 2042m) und bringen Fahrer und Fahrzeuge ganz schön ins schwitzen. Ganzkörpergänsehaut entschädigt für die Strapazen.

Wunderbar.

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